
München – Im Rahmen der bedeutenden Veranstaltung "New Ideas for Medicine" wurden von Experten aus verschiedenen medizinischen Bereichen die neuesten innovativen Technologien und Forschungsrichtungen im medizinischen Sektor präsentiert. Das von La Roche Posay unterstützte virtuelle Symposium der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft fand vom 12. bis 13. Mai statt.
Das Symposium der Technischen Universität München bot Medizinern und allen Interessierten ein breites Spektrum an digitalen, innovativen Ansätzen und wegweisenden Perspektiven im Bereich der Dermatologie. Die fortlaufende Integration digitaler Technologien in die medizinische Praxis ist mittlerweile von entscheidender Bedeutung geworden und verdeutlicht den unaufhaltsamen Wandel, den die Digitalisierung in der Medizin vorantreibt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die spannende Frage, welche Chancen und Herausforderungen sich aus dieser Verbindung für die zukünftige dermatologische Versorgung ergeben.
Bedeutung von Social Media für den Patienten am Beispiel der atopischen Dermatitis
In der heutigen Zeit nimmt Social Media eine immer wichtigere Rolle in der Informationsbeschaffung der Menschen ein. Dies gilt auch für Patienten mit atopischer Dermatitis, die auf der Suche nach schneller Hilfe sind. Gerade Krankheiten wie die atopische Dermatitis werden auf Social Media durch eine Vielzahl an Inhalten besprochen. Es gibt jedoch selten neutrale Aufklärung, wissenschaftliche Quellen oder medizinische Beratung. Patienten müssen selbst abwägen, wie hilfreich die Informationen für sie sind. Ein Beispiel für den Einfluss von Social Media ist Instagram. 81% der 20-29- Jährigen nutzen das Medium Instagram, [1] um sich auszutauschen und zu informieren. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Beiträge zu Themen wie Neurodermitis und atopischer Dermatitis deutlich gestiegen. Jedoch ist es problematisch, wenn für „Wundermittel“ geworben wird, die keine nachgewiesene positive Wirkung auf die Erkrankung haben. In Notsituationen suchen Patienten oft nach schnellen Lösungen und können solche Angebote schwer hinterfragen.
Um dem entgegenzuwirken, ist eine digitale Therapie-Aufklärung erforderlich. Diese sollte immer und überall zugänglich sein und den Patienten wissenschaftlich fundierte Informationen bieten. Es ist wichtig, die Behandlungsmethoden transparent darzustellen, um den Patienten Orientierung zu geben, und als Berater auf Social Media sichtbar zu sein. Social Media kann als eine hilfreiche Plattform für Behandlungsberatung, -information und den Kontakt zu Patienten gesehen werden. Ärzte, Unternehmen und seriöse Organisationen sollten ihre Präsenz auf Social Media verstärken, um den Patienten eine vertrauenswürdige Informationsquelle zu bieten. Durch gezielte Aufklärung können Patienten fundierte Entscheidungen treffen und ihre Lebensqualität verbessern.
Personalisierte Teledermatologie: Digital und ganzheitlich
Die Coronapandemie hat 2020 zu einem Anstieg der personalisierten Teledermatologie geführt. Das Facharzt-Dilemma mit überlastetem Personal und gesteigerten Patientenerwartungen wird zunehmend spürbar. Die älter werdende Bevölkerung und der geringe Nachwuchs an Dermatologen verschärfen dieses Problem. Die Terminvergabe bei Dermatologen gestaltet sich schwierig, besonders in ländlichen Regionen. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 4,9 Wochen [2]. Daher werden neue Verfahren und Ansätze benötigt, um die Patientenversorgung zu verbessern. Hier setzt die Teledermatologie, die eine ganzheitliche Betrachtung der Dermatologie im digitalen Bereich ermöglicht, an. Sie kann für Screening, Prävention, Diagnosestellung, Therapie, Behandlung und Nachsorge von Hauterkrankungen sowie für die langfristige Betreuung der Patienten digital eingesetzt werden. Es existieren verschiedene Modelle von Teledermatologie, einschließlich Online-Hautarztpraxen, technische Plattformen und Hybridmodelle.
Digitale Plattformen ermöglichen Präventionskampagnen und erreichen viele Patienten. Sie bieten Informationen und Online-Beratungen für Diagnose und Behandlung. Zum Beispiel hat sich die online Plattform der Teledermatologie am Universitätsspital Zürich etabliert und ist dort die am schnellsten wachsende Sprechstunde. Über ein Viertel der regelmäßig betreuten Patienten und 8% aller ambulant behandelten Patienten nutzen inzwischen die Online-Betreuung.
Die Teledermatologie kann auch als eine optimale Ergänzung der bestehenden Versorgung von Patienten betrachtet werden. In der herkömmlichen Versorgung werden Patienten mit atopischer Dermatitis nur etwa 3- bis 4-mal im Jahr in der Klinik betreut, während sie den Rest der Zeit ohne ärztliche Betreuung sind (ca. 99% der Zeit). Hier bietet die Teledermatologie die Möglichkeit, dass Patienten durch digitale Begleiter zu verschiedenen Themen wie ihrer Erkrankung, Lifestyle, medizinischen Empfehlungen und Produkten sowie Therapiebegleitung eine sinnvolle Ergänzung erhalten.
Eine Studie zur Auswertung der Effizienz der Teledermatologie zeigte, dass 80-85% aller Diagnosen korrekt waren und die Therapie erfolgreich verlief [3]. Die Teledermatologie bietet einen klaren Mehrwert sowohl für Patienten als auch Dermatologen und zielt darauf ab, Ärzte zu entlasten, ohne sie zu ersetzen. Inzwischen hat die Dermatologische Fachgesellschaft eine Leitlinie speziell für die Teledermatologie herausgegeben [4].
Eine mögliche Entlastung der Ärzte könnte auch durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erreicht werden. Durch KI könnten bestimmte Fälle behandelt werden, wodurch die Ärzte ihre Zeit den komplexeren Fällen widmen könnten. Zudem kann die KI bei der objektiven Diagnosestellung unterstützen. Obwohl das Tool derzeit nur einige Erkrankungen abdeckt, bietet es eine gute Unterstützung für Ärzte, benötigt jedoch noch Zeit. Es ist zu erwarten, dass dieses Thema in naher Zukunft erneut an Bedeutung gewinnen wird.
Veranstaltung
New Ideas for Medicine (NIM) „Digitale Kompetenz für Mediziner“, Klinikum rechts der Isar Technische Universität München Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Samstag, 13.05.2023, Online Konferenz
Literatur
[1] Statista 2022, online abrufbar unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/691584/umfrage/anteil-der-nutzer-von-instagramnach-alter-in-deutschland/ (letzter Zugriff 19.06.23)
[2] Krensel M. et al. J Dtsch Dermatol Ges. 2015 Aug;13(8):812-4
[3] Lindemann H. et al. J Dermatol. 2023 Jun;50(6):800-803
[4] S2k-Leitlinie Teledermatologie (Stand 22.10.20), online abrufbar unter https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-097l_S2k_Teledermatologie_2021-03.pdf (zuletzt geöffnet 19.06.23)