Empfindliche Haut und allergische Erkrankungen stehen oft in Zusammenhang und treten in unserer modernen Umwelt häufig auf. Im Rahmen eines von La Roche Posay unterstützten Mittagssymposiums auf der diesjährigen virtuellen Dermatologie Kompakt und Praxisnah sprachen Prof. Torsten Zuberbier, Berlin, und Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Augsburg, über die Einflussfaktoren der modernen Umwelt auf unsere Haut und die Entwicklung allergischer Erkrankungen sowie die Möglichkeiten der richtigen Pflege und Prävention.
„Viele Aspekte unserer modernen Umwelt wirken sich negativ auf unsere Haut aus“, verdeutlichte Zuberbier zu Beginn seines Vortrags. Die Haut bietet Schutz vor äußeren Einflüssen, zum Beispiel Verletzungen, Krankheitserregern, Sonnenlicht oder Feuchtigkeit. Doch verschiedene Umweltfaktoren beeinflussen die Schutzfunktion der Haut, zum Beispiel Allergene, Schadstoffe, Pflegeprodukte sowie die Hygiene. Deshalb neigen viele Menschen heutzutage zu überempfindlicher Haut und Atopie. „Das hängt vor allem mit der allergischen Disposition eines Patienten zusammen“, so der Experte. Die Symptome empfindlicher Haut sind bekannt: Sie wird nach der Reinigung rot und fleckig, reagiert auf Umwelteinflüsse wie Temperaturschwankungen oder sie brennt regelmäßig nach der Anwendung von falschen Reinigungsmitteln und Pflegeprodukten. Es besteht zudem eine Korrelation zu atopischen Erkrankungen, wie der atopischen Dermatitis. Bei der atopischen Dermatitis (AD) ist die Haut genetisch bedingt empfindlicher und durchlässiger. Außerdem ist das Hautimmunsystem unter der Epidermis hochaktiviert, wodurch es zu überschießenden Abwehrreaktionen kommt [1]. Der Übergang zwischen empfindlicher und zu Atopie neigender Haut ist dabei fließend. Klimaveränderungen haben Einfluss auf die Umwelt, was wiederum unsere Haut belasten kann. Das kann die Entwicklung von Allergien begünstigen, zum Beispiel durch die Veränderung der Pollenbelastung [2]. Allergien können wiederum zu unerwünschten Hautreaktionen und einer Schädigung der Hautbarriere führen [3].
Die Diversität des Mikrobioms ist bei gesunder Haut hoch. Bei AD oder empfindlicher Haut ist das Mikrobiom jedoch im Ungleichgewicht. Doch nicht nur das Hautmikrobiom ist für die Dermatologie relevant, denn die verschiedenen Mikrobiome des Körpers, zum Beispiel des Darms und der Haut, interagieren miteinander und beeinflussen sich gegenseitig [4]. „Diese Erkenntnisse können wir jetzt in die dermatologische Forschung und Therapie einfließen lassen“, erläuterte Zuberbier. Das Hautmikrobiom solle im Gleichgewicht gehalten werden, damit die Haut gesund und geschmeidig bleibt, empfahl er weiter. Bei Patienten mit empfindlicher und zu Atopie neigender Haut ist dafür eine passende Hautpflege von besonderer Bedeutung.
„Unseren Patienten können wir sagen: Mit guten Dermatokosmetika können wir ihre genetischen Schwachstellen balancieren und den Symptomen empfindlicher Haut entgegenwirken“, hob Zuberbier hervor. Diese Dermatokosmetika sollten Wirkstoffe enthalten, die sich positiv auf das Mikrobiom auswirken und den Juckreiz beruhigen. Der aktive Wirkstoff Sphingobioma ist ein Bakterienstamm, der aus dem Thermalwasser aus La Roche-Posay extrahiert wird. Er unterstützt die Funktion des Mikrobioms und ist nicht pathogen. Sphingobioma stärkt die Hautschutzbarriere, indem es die Zellverbindungen festigt und so der Haut auch bei der Abwehr von Allergenen helfen kann. Zudem hilft es der Haut, nicht zu stark auf Allergene zu reagieren, weil es die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen reguliert. Neurosensine kann zudem Juckreiz, Rötungen und Irritationen mildern. Ein Dermatokosmetikum mit diesen Inhaltsstoffen kann den transepidermalen Wasserverlust vermindern, die Hydration der Haut erhöhen sowie Juckreiz und Brennen lindern.
Traidl-Hoffmann thematisierte in ihrem Vortrag vor allem die Prävention von Allergien. „Wir können Allergien verhindern und Prävention schaffen, indem wir die Hautbarriere schützen“, erklärte die Expertin. Eine Störung der Hautbarriere und eine daraus resultierende AD im frühen Kindesalter kann dazu führen, dass ein Fenster für die Entwicklung von Allergien geöffnet wird. Sie kann für Allergien prädisponieren und so die Entwicklung von Lebensmittelallergien, Asthma oder Rhinitis bedingen. „Wenn wir hier frühzeitig intervenieren, können wir den sogenannten atopischen Marsch stoppen.“
Allergien sind Umwelterkrankungen, für die es verschiedene Risikofaktoren gibt [5]. Dazu zählt Traidl-Hoffmann psychosoziale Faktoren, Ernährung, Schadstoffbelastung und biogene Faktoren. Psychosoziale Faktoren spielen bei AD eine relevante Rolle. Stress und die Ekzeme, die durch die Erkrankung auftreten, bedingen sich gegenseitig. So geraten die Patienten häufig in einen Teufelskreis, der durch eine effektive Basistherapie durchbrochen werden kann. Auch die Ernährung kann die Entwicklung von Allergien beeinflussen. Zum Beispiel schützt eine diverse Ernährung im ersten Lebensjahr nachweislich vor Allergien [6]. Die Expertin betonte zudem, dass unsere moderne Umwelt schädlich sei und Allergien und AD bedingen könne. So ist die Prävalenz des atopischen Ekzems bei Kindern, die vielen Schadstoffen ausgesetzt sind, im Alter von 6 Jahren signifikant erhöht [7]. Auch Biodiversität ist ein wichtiger Faktor, denn wenn Kinder in einem biodiversen Umfeld leben, kann das präventiv auf die Entwicklung von Neurodermitis und Allergien wirken [8].
„Das Mikrobiom ist ein zentraler Spieler im Orchester der Hautbarriere“, betonte Traidl-Hoffmann. Bei einer Haut mit einem Barrieredefekt ist das Mikrobiom verändert und pathogene Keime wie Staphylococcus aureus (S. aureus) nehmen Überhand. S. aureus verdrängt dabei die schützenden Bakterien und schädigt die Barriere, was zu Entzündungen sowie einer Verschlechterung des Hautbildes führen kann. „Mit den richtigen Therapeutika kann S. aureus gezielt angegriffen werden“, so Traidl-Hoffmann. Als mögliche Intervention nannte die Expertin Endolysine. Ein Beispiel dafür ist der Wirkstoff Endobioma. Dieser kann S. aureus ganz spezifisch hemmen, ohne das restliche Mikrobiom zu zerstören oder Resistenzen zu erzeugen [9]. So kann die Haut vor allem bei akuten Ekzem-Schüben beruhigt werden und abheilen.
Traidl-Hoffmann betonte jedoch, dass eine Therapie der AD mit Endolysinen nicht ausreiche, sondern immer multimodal erfolgen sollte. Zusätzlich zur Hemmung von S. aureus sollte die Hautbarriere wiederhergestellt und das Mikrobiom stabilisiert werden. Hier ist eine effiziente und personalisierte Basistherapie von Bedeutung. Dafür eignen sich unter anderem die Inhaltsstoffe Aqua Posae filiformis, Mikroresyl und Niacinamid. Aqua Posae filiformis kann das hauteigene Mikrobiom ins Gleichgewicht bringen und hilft, Schübe vorzubeugen. In Kombination mit dem aktiven Wirkstoff Mikroresyl wird das Mikrobiom gestärkt und eine Biofilmbildung von S. aureus gehemmt. Niacinamid mildert zusätzlich Juckreiz und kann hautberuhigend wirken.
Eine Basistherapie kann vor allem bei Säuglingen aus Hoch-Risiko-Gruppen präventiv angewendet helfen, um die Entwicklung einer AD zu verhindern [10]. So kann Prävention geschaffen und der atopische Marsch gestoppt werden.
Veranstaltung: La Roche Posay-Mittagssymposium: „Das Mikrobiom als Ansatzpunkt für die Prävention und Behandlung allergischer Erkrankungen“, Dermatologie Kompakt und Praxisnah am 19. Februar 2022
[1] Weidinger S et al. Nat Rev Dis Primers 2018; 4(1): 1
[2] Cecchi L et al. J Allergy Clin Immunol 2018; 141 (3): 846-857
[3] Salah S et al. Int. J. Environ. Res. Public Health 2021, 18(9), 4501
[4] Zhu TH et al. Br J Dermatol 2018; 179 (3): 570-581
[5] Hülpüsch C et al. Allergy 2021; 76 (11): 3408-3421
[6] Nwaru BI et al. J Allergy Clin Immunol 2014; 133 (4): 1084-91
[7] Krämer U et al. J Dermatol Sci 2009; 56(2): 99-105
[8] Haahtela T et al. Allergy 2021; 76(12): 3613-3626
[9] Moreau M et al. J Drugs Dermatol 2021; 20 (12): 1323-1328
[10] Zhong Y et al. Allergy 2021. doi: 10.1111/all.15116. Online ahead of print.