Das diesjährige Photodermatologie Symposium stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. Gastgeber der von La Roche Posay unterstützten Veranstaltung war PD Dr. Helger Stege, Detmold. In dem virtuellen Seminar berichteten etablierte Experten von ihren Erfahrungen und standen ihren Kollegen im Chat Rede und Antwort. PD Dr. Christine Fink, Heidelberg, berichtete über die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in der Diagnostik und aktuelle digitale Tools. Prof. Dr. Wilhelm Stolz, München, regte die Zuhörer mit seinem Fall-Quiz zum Mitmachen an und präsentierte die Vorteile der Dermatoskopie.
In der dermatologischen Diagnostik ist die
differenziert werden [1]. In der dermatologischen Praxis bietet dieses Verfahren durch die präzisere Diagnose viele Chancen. Allerdings ist eine regelmäßige Übung notwendig, um die dermatoskopischen Strukturen sicher interpretieren zu können. Kurse haben hier weiterhin eine hohe Bedeutung, denn durch sie kann diese Fähigkeit regelmäßig trainiert werden.
Künstliche Intelligenz in der Dermatologie
Die diagnostische Genauigkeit in der Dermatoskopie ist stark abhängig von der Erfahrung des jeweiligen Dermatologen. Wünschenswert wäre deshalb eine Standardisierung und Optimierung der Hautkrebsdiagnostik, so Fink. Diese lasse sich durch den Einsatz von Technologien mit einer hohen Sensitivität und Spezifität erreichen. Ein hilfreiches Tool ist die künstliche Intelligenz (KI), genauer gesagt eine Untereinheit, die sich maschinelles Lernen nennt. Hier wird mit einer nicht-supervidierten Form des maschinellen Lernens gearbeitet, die selbstständig eine pixelbasierte Analyse von Bildern vornimmt und eine Diagnose stellen kann. Das sogenannte neuronale Netzwerk muss trainiert werden, bevor es angewendet wird. In dieser Trainingsphase werden mehrere Tausend Bilder und dazugehörige Diagnosen in das Netzwerk eingegeben. Die Software analysiert diese Bilder dann auf Pixelbasis.
In den letzten Jahren wurden verschiedene neuronale Netzwerke trainiert, die anhand von Bilddateien Hautläsionen analysieren und klassifizieren können. Mehrere Studien belegen eine vergleichbare Leistungsfähigkeit von neuronalen Netzwerken und erfahrenen Dermatologen [2]. Aus vielen Bereichen, z.B. dem der Felderhaut im Rumpfbereich, liegt eine Vielzahl an Fotos vor, mit denen die künstliche Intelligenz ausführlich trainiert werden kann. Vor allem in bestimmten Sonderlokalisationen wie Schleimhaut oder Nägel mangelt es hingegen an Trainingsbildern, wodurch es hier bei einer KI häufiger zu Fehldiagnosen kommen kann. Die Vorteile an einer Diagnosestellung durch den Dermatologen ist vor allem die Möglichkeit einer Anamneseerhebung, die das Alter, die Dynamik der Läsion und die Möglichkeit eines Tastbefundes beinhaltet. „Eine solche Software gehört in jedem Fall in die Hände von erfahrenen Ärzten, die einschätzen können, in welchen Punkten sie vielleicht falsch liegt. Die Verantwortung für alle klinischen Entscheidungen liegt immer beim behandelnden Arzt“, betont Fink. Neue Untersuchungsverfahren gehörten in die Hände entsprechend ausgebildeter Dermatologen. In jedem Fall sei eine weitere kritische Evaluation notwendig, um Limitierungen zu erkennen und systematische Fehler zu vermeiden.
Hautkrebs-Apps zur Selbstdiagnostik
Es sind immer mehr Hautkrebs-Apps zur Selbstuntersuchung für das Smartphone verfügbar. Eine systematische Studie konnte allerdings zeigen, dass die Qualität der Apps sehr stark variiert. Gute Ergebnisse wurden allerdings bei der Weiterleitung der Bilder an Dermatologen erzielt [3]. Eine andere Studie konnte belegen, dass bis zu 45 % der Aufnahmen von den Apps gar nicht beurteilt und aus den Analysen ausgeschlossen wurden, obwohl es sich um professionelle, hochauflösende Aufnahmen handelte [4]. Die Apps haben also einige Nachteile und sind nicht in der Lage, ärztliche Untersuchungen zu ersetzen. Zudem können sie zu Überdiagnosen führen und Ängste bei den Nutzern schüren. Allerdings können Hautkrebs-Apps die Aufmerksamkeit der Nutzer auf das Thema Hautkrebs lenken und dafür sensibilisieren. Die Frage, ob Apps und künstliche Intelligenzen den Arzt überflüssig machen und ersetzen könnten, beantwortete Fink mit einem klaren Nein. Studien belegen, dass Patienten sich in den meisten Fällen zusätzlich zu einer computerbasierten Diagnostik die Meinung eines Experten wünschen [5]. Die Technologie ist also nicht als Konkurrenz oder Ersatz für den Dermatologen zu sehen, sondern als Unterstützung.
Veranstaltung: Photodermatologie Symposium XI digital, Klinikum Lippe, Klinik für Dermatologie Detmold, 06. Februar 2021
Quellen:
[1] Stolz W, Hänßle H, Sattler E & Welzel J (Hrsg.) Bildgebende Diagnostik in der Dermatologie: Dermatoskopie, Konfokale Laserscanmikroskopie, Optische Kohärenztomografie, Sonografie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018.
[2] Haenssle H et al. Ann Oncol. 2018 Aug 1;29(8):1836-1842.
[3] Rat C et al. J Med Internet Res 2018 Apr 13;20(4):e135.
[4] Freeman K et al. BMJ. 2020 Feb 10;368:m127.
[5] Fink C et al. J DtschDermatol Ges. 2018 Jul;16(7):854-859.