Warum entstehen Hauterkrankungen wie Xerosiscutis oder Ekzeme und wie lassen sie sich behandeln? In einem von CeraVe unterstützten Frühstückssymposium, das im Rahmen der diesjährigen virtuellen DDG stattfand, informierte Prof. Petra Staubach-Renz, Mainz, über die Bedeutung der Basistherapie bei trockener Haut sowie bestimmten Hauterkrankungen wie dem atopischen Ekzem oder Psoriasis. Prof. Christoph Skudlik, Osnabrück, sprach über die Relevanz der Basistherapie in der Behandlung von beruflich bedingten Handekzemen und die Inhalte der neuen BK-Rechtsänderung.

„Über 20 Millionen Menschen in Deutschland sind von entzündlichen Dermatosen betroffen“, startet Staubach-Renz ihren Vortrag. „Die Basistherapie ist u. a. für alle Patienten mit atopischem Ekzem, Atopie, Ichthyosis, Keratosispilaris, Psoriasis, Xerosiscutis, bei einigen internistischen Grunderkrankungen und bei der Altershaut wichtig und sollte ein- bis zweimal täglich aufgetragen werden“, erklärt die Expertin und ergänzt: „Eine Basistherapie kann von 0 bis 100 Jahren angewendet werden, denn sie ist ein essenzieller Bestandteil der Prävention für Hauterkrankungen“.
Ursachen für Hauterkrankungen erkennen
Hauterkrankungen wie z. B. Xersoiscutis entstehen unter anderem durch eine veränderte Zusammensetzung der interzellulären Lipidschicht. Diese kann durch exogene Ursachen, wie Waschgewohnheiten, oder durch endogene Ursachen, wie Veranlagung, internistische Erkrankungen, Medikamente und eine damit oft verbundene verringerte Ceramidproduktion hervorgerufen werden. Eine Veränderung des Aufbaus der interzellulären Lipidschicht bzw. der Aktivität der Keratinozyten führen unter anderem zu trockener Haut, Juckreiz und so zu vermehrtem Kratzen, was Entzündungen der Haut mit Superinfektionen bedingen kann. Ein Ceramid-Verlust ist mit diversen Hauterkrankungen und dem Alter assoziiert [1,2,3,4]. Die Ceramide 1, 3 und 6-II sind essenziell für eine gesunde Haut. Ein weiterer Aspekt ist die Verminderung des Feuchtigkeitsgehalts der Haut, die durch Umweltfaktoren, altersbedingt oder durch eine verminderte oder gestörte endogene Produktion hervorgerufen werden kann.
Anforderungen an eine Basistherapie
Bei der Behandlung von Hauterkrankungen ist es wichtig, individuell auf die Bedürfnisse der Haut eines Patienten einzugehen. Denn jede Haut ist anders und bedarf einer individualisierten und damit auch personalisierten Therapie. Das Hauptziel einer jeden Basistherapie sollte die Wiederherstellung und Stabilisierung der Hautbarriere sein [5]. Essenziell für die Wiederherstellung und Stabilisierung der physiologischen Hautbarriere ist das Anwenden von hydratisierenden Produkten wie zum Beispiel Glycerin oder Harnstoff, die zusätzlich fettend und filmbildend sind, sodass die Haut vor Irritationen oder Triggerfaktoren gestärkt und geschützt ist. Fettende Inhaltsstoffe füllen die interzelluläre Lipidmatrix auf. Dies kann durch Präparate erfolgen, die Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterol/Derivate enthaltenen und damit die physiologische Hautbarriere nachbilden. Die Filmbildner verhindern das Abdunsten der Feuchtigkeit. Wünschenswert wäre eine pharmazeutische Galenik, die lange auf der Haut wirkt, wie eine Retardform, die man auch bei oralen Medikamenten kennt.
Eine Studie von Draelos et al. zeigte, dass bei Xerosiscutis-Patienten, die zweimal täglich mit einer ceramidhaltigen Feuchtigkeitscreme behandelt wurden, nach vier Wochen eine deutliche Verbesserung des Krankheitsbildes erzielt werden konnte. Die Hauttrockenheit nahm um 44,5 % ab, die Geschmeidigkeit der Haut nahm um 58,1 % zu und die Abschuppung betrug 52,3 %. Erstaunlich war, dass die Effekte selbst 48 Stunden nach Anwendungsende nachweisbar waren [6].
Bewährte MVE-Technologie
Schnell einziehende und lang wirkende Präparate haben sich bei der Anwendung etabliert und sind für die Adhärenz wichtig. Betroffene nehmen diese als angenehmer wahr, vor allem wenn man besondere Hautzustände wie behaarte Haut oder besondere Alltagssituationen z.B. bei Kindern oder in der Altenpflege zu beachten hat. Eine verzögerte Wirkstofffreigabe kann durch bestimmte Technologien erreicht werden. Die patentierten MVE-Technologie zum Beispiel hat eine retardierte Wirkung, wodurch sie durch die langsame, kontinuierliche Abgabe von Wirkstoffen für eine lange Wirkdauer sorgen. Die prolongierte Wirksamkeit sowie einfache Anwendbarkeit unterstützen die Adhärenz der Patienten.
Handekzem auf dem Vormarsch
Neben Xerosiscutis und weiteren entzündlichen Dermatosen ist das Handekzem ein Krankheitsbild, das sich häufig beobachten lässt. Besonders seit der COVID-19-Pandemie nimmt die Zahl an Betroffenen mit Handekzem zu. „Grund dafür ist das häufige und intensivierte Händewaschen“, erklärt Skudlik und ergänzt: „Das ließe sich durch die häufigere Verwendung von Desinfektionsmittel anstelle von Händewaschen vermeiden.“
Berufsbedingtes Handekzem
Das Handekzem lässt sich vor allem auch in der Berufsdermatologie beobachten, denn es ist die häufigste beruflich bedingte Hauterkrankung. Es geht mit einer defekten oder stark angegriffenen Hautbarriere einher, die Entzündungen, Risse und Rhagaden nach sich ziehen kann. Das Krankheitsbild lässt sich u. a. bei Friseuren, Krankenpflegern, Küchenhilfen oder Zerspanern feststellen.
Bis Ende letzten Jahres wurden beruflich bedingte Hauterkrankungen wie das Handekzem häufig nicht als Berufskrankheit anerkannt. Grund dafür war der Unterlassungszwang, der besagte, dass eine beruflich bedingte Hauterkrankung nur dann als Berufskrankheit (BK) anerkannt wird, wenn die Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Im Sommer 2020 wurde ein Gesetz erlassen, aus dem hervorgeht, dass der Unterlassungszwang gestrichen wird. Die BK-Rechtsänderung ist am 01.01.2021 in Kraft getreten und besagt, dass eine schwere oder wiederholt rückfällige berufliche Hauterkrankung auch dann als Berufskrankheit anerkannt wird, wenn der Beruf weiter ausgeübt werden kann [7,8]. „Durch diese Gesetzesänderung werden sich die Fallzahl der anerkannten Berufskrankheiten in der Praxis zukünftig um den Faktor 20 erhöhen – denn dadurch entfällt eine wesentliche Hürde zur Anerkennung einer Berufskrankheit der Haut“, so die Einschätzung des Experten.
Hautarztbericht und Vorteile für Patienten
Das optimierte Hautarztverfahren (Verfahren Haut) bleibt weiterhin unverändert bestehen [9]. Dieses beinhaltet ein ambulantes dermatologisches Heilverfahren beim niedergelassenen Dermatologen einschließlich arbeitsplatzbezogener diagnostischer Maßnahmen [10]. Um eine Erkrankung als BK anerkennen lassen zu können, muss zunächst eine Bewertung der Schwere der Erkrankung durch klinische Symptomatik und Ansprechen auf Therapie sowie Präventionsmaßnahmen erfolgen. Bei begründetem Verdacht, dass eine BK vorliegt, besteht eine Anzeigepflicht.
Als Folge dieser Rechtsänderung haben Patienten nun mehr Ansprüche – auch, bezogen auf die kassenärztliche Versorgung, außerbudgetäre Leistungen. Darunter zählt, dass der Unfallversicherungsträger bei anerkannter Berufskrankheit grundsätzlich für die Heilbehandlungen zuständig ist. Zudem können Rentenansprüche bei entschädigungspflichtiger MdE (Minderung der Erwerbsfähigkeit) resultieren, sowie Ansprüche auf Teilhabe-Leistungen oder weitere Maßnahmen der Individualprävention nach §3 BKV (Berufskrankheiten-Verordnung) bei Gefahr, dass die BK wiederauflebt oder sich verschlimmert, bestehen.
Chancen für die Basistherapie
Die Basistherapie ist ein essenzieller Teil der therapeutischen Maßnahmen. „Wichtig ist es, zu wissen, dass die Basistherapie von der BG übernommen wird!“, erklärt Skudlik. Als Basistherapie sind pflegende, hydratisierende und rückfettende Externa ein zentraler Bestandteil des Behandlungskonzepts. Die Basistherapie sollte bei jedem Schweregrad der Erkrankung sowie auch in symptomfreien Intervallen erfolgen, da die vollständige Wiederherstellung der Barrierefunktion erst mehrere Wochen nach klinischer Abheilung eines Kontaktekzems zu erwarten ist [11]. Welches Präparat benötigt wird und was dieses leisten soll, muss je nach Erkrankungsbild individuell entschieden werden [11]. Neben den Inhaltsstoffen kommt es bei der Therapie und Basispflege auch auf die Galenik an. Aktuell werden häufig noch fettende Salben empfohlen, allerdings ist dies oftmals mit einer schlechteren Compliance verbunden, da schnelleinziehende Cremes von den Patienten bevorzugt werden.
Veranstaltung: CeraVe-Frühstückssympposium: „Die Bedeutung der Basistherapie: von trockener, strapazierter Haut bis hin zum Ekzem“, 51. DDG am 16. April 2021
Quellen:
[1] Di Nardo A et al. Acta DermVenereol. 1998;78:27-30
[2] Motta S et al. Arch Dermatol. 1994;130:452-456
[3] Paige DG et al. Proc BR J Dermatol. 1994;131:23-27
[4] Perisho K et al. J InvestDermatol. 1988;90:350-353
[5] Wohlrab J et al. S2k - Leitlinie zum Gebrauch von Präparationen zur lokalen Anwendung auf der Haut (Topika), AWMF-Registriernr. 013-092
[6] Dreaelos ZD et al. J Drugs Dermatol. 2020;19:372-376
[7] Krohn S et al. Dermatol Beruf Umwelt. 2020; 68: 145-148
[8] Skudlik C et al. Dermatol Beruf Umwelt. 2020; 68: 149-152
[9] Schneider S et al. Dermatol Beruf Umwelt. 2019; 67: 148–153
[10] Voß H et al. Hautarzt. 2009; 60: 695
[11] Diepgen TL et al. JDDG. 2015;13(1):77-85